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Klaus D. Grote 09.07.2017 07:54 Uhr
Red. Oranienburg, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Ernte verfault auf nassen Feldern

Oranienburg (OGA) Auch mehr als eine Woche nach dem Jahrhundertregen stehen Felder der Biokräuterei Oberhavel unter Wasser. 90 Prozent der Ernte sind vernichtet, sagt Geschäftsführer Matthias Anders. Er hofft nun auf Unterstützung aus dem von Land und Kreis aufgelegten Hilfsfonds.

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Rotkohl im Sumpf: Heike Bernhardt und Matthias Anders stehen am überfluteten Acker. Ein Großteil der Ernte ist nicht mehr zu retten. Der Schaden ist fast so hoch wie der komplette Jahresumsatz der Biokräuterei.

© Klaus D. Grote/OGA

Die Kohlfelder sind nur in Gummistiefeln erreichbar, der Traktor kann nicht fahren. Der Acker der Biokräuterei ähnelt einem See. Der Rotkohl lässt die braunen Blätter hängen. Auch Wirsing und Rosenkohl sind nicht mehr zu retten. Hinüber sind auch viele Kräuter, die Minze ist komplett abgesoffen. "Unsere Kräuter haben höchste Qualität, Blätter mit braunen Flecken werden aussortiert", sagt Heike Bernhardt. Die meisten Kräuter sind jedoch komplett braun. Allein der Schnittlauch steht trotz nasser Füße noch gut da.

Der Acker hinterm Damm des Oranienburger Kanals erinnert an ein Reisfeld. Doch über solche Scherze können die Leute in der Biokräuterei längst nicht mehr lachen. Vor ein paar Tagen reichte das stehende Regenwasser noch bis zu den Knien und lief in die Stiefel. Pflanzen sind darin regelrecht ersoffen.

90 Prozent der Ernte auf sechs Hektar Anbaufläche sind vernichtet, schätzt Geschäftsführer Matthias Anders. Hinüber ist auch die Kartoffelernte auf einem Hektar. Etwa zweieinhalb Tonnen Knollen alter Sorten sind im nassen Boden verfault. Heike Bernhardt nennt einen Schaden in Höhe von 50 000 Euro allein durch den Kartoffelausfall. Der Gesamtschaden belaufe sich auf etwa 98 000 Euro, sagt Anders.

Die Bio-Kräuterei hofft jetzt auf Unterstützung aus dem Nothilfefonds. Land und Kreis haben in dieser Woche 400 000 Euro aufgelegt, um Betroffenen in Oberhavel zu helfen. Nach dem Beschluss durch den Kreistag am kommenden Mittwoch können Anträge gestellt werden. Eine Elementarversicherung hat die Biokräuterei nicht. "Die bietet unser Versicherer nicht an", sagt Matthias Anders.

Der Ernteverlust der Biokräuterei wird zum Problem für die Kunden. Neben dem Verkauf auf drei Berliner Wochenmärkten gehen die Produkte aus Tiergarten an 450 Haushalte und Einzelpersonen. Sie beteiligen sich an der solidarischen Landwirtschaft und entscheiden mit darüber, was in der Bürokräuterei angebaut wird, und beziehen wöchentlich an zehn Stationen ihre Gemüsekisten. Fünf dieser Ausgabestellen finden sich im Wedding, eine in Birkenwerder, eine weitere im Oranienwerk. In nächster Zeit werden die Kisten nur spärlich gefüllt sein: Mit kleinen Rüben und Kohl, der lange vor der Reife geerntet wird, bevor er auch verfault. Die Kartoffeln und Karotten für den Winter, die eingelagert werden, fallen komplett aus. Sie fehlen also, um den Winter über die Gemüsekisten damit zu bestücken.

Für eine Neuausaat von Wintergemüse sei es jetzt zu spät, sagt Heike Bernhardt. Kohlrabi und schnell wachsender Salat könnten noch gesät werden. Die Biokräuterei ist bereits mit dem Vorziehen beschäftigt. Doch auch das Gewächshaus ist belegt. Ob die Tomatenpflanzen, die darin ebenfalls im Wasser standen, aber noch zu retten sind, weiß niemand. "Wir haben damit keine Erfahrung", sagt Heike Bernhardt. Sie wisse auch nicht, welche langfristigen Auswirkungen die Fäulnis auf den Boden habe. "Was wir über zehn Jahre an gutem Boden und Mikroorganismen aufgebaut haben, ist zerstört worden", sagt sie und blickt auf den nassen Acker, in dem tote Regenwürmer schwimmen. Gefährdet sind auch Stauden. Der Rhabarber hat in der Nässe braune Blätter bekommen. Die Beschäftigten des Hofs haben jetzt kaum etwas zu tun. Matthias Anders fällt es schwer, über Konsequenzen zu sprechen. "Das ist wie beim Boden. Wir haben uns langsam etwas aufgebaut. Das bekommt man nicht so schnell wieder", erklärt er.

Trotz der prekären Lage soll der Tag der offenen Tür in der Biokräuterei am 16. Juli von 14 bis 18 Uhr stattfinden. Besucher können sich dann ein Bild von der Situation machen.

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